Hallstatt und Corona - Ein Segen oder ein Fluch?

Aktualisiert: 26. Nov 2020

Da wir uns im Jahr 2020 wegen der Situation mit Corona für eine Reise innerhalb Österreich, Südtirol und Deutschland entschieden haben, stand für mich auch sofort fest, dass es unter anderem auch nach Hallstatt gehen sollte. Wir waren zwar bereits vor einigen Jahren in dem kleinen, idyllischen Örtchen, aber da durch die weltweiten Reiseeinschränkungen die Besucher aus Asien ausbleiben sollten, gab es für uns keinen passenderen Zeitpunkt. Denn Hallstatt ist ja bekanntlich bei Touristen aus China sehr beliebt. Sie haben den Ort sogar eigens in China nachgebaut. Und so pilgern die Touristen mit Bussen in den Ort in Oberösterreich. Parkplätze sind sowieso sehr wenige vorhanden und so war unser erster Besuch eine herbe Enttäuschung.




Obwohl wir auch damals nicht in den Sommerferien hier waren, war höllisch viel los. Wir mussten sehr lange auf einen Parkplatz warten und dieser war auch noch unglaublich teuer. An der Bahn zum Salzbergwerk und der neuen Aussichtsplattform standen die Menschen Schlange. Leider konnten wir so aus zeitlichen Gründen diese Attraktion nicht besuchen. Also gingen wir an den schönen Hallstättersee und auch hier war ein Gedränge. Vor allem an den bekannten Fotospots, wie dem Brunnen und den Platz vor der Kirche, konnte man fast kein vernünftiges Foto schießen, ohne dass ich Dutzende Menschen vor deiner Linse herumtanzen. Das nimmt so vieles von dem sonst so charmanten Örtchen. Die Restaurants sind voll und die Boote belegt.





Vielen der hier Lebenden ist der Massentourismus ein Dorn im Auge. Hauptsächlich der liegengelassene Müll, der andauernde Lärm sowie unerlaubte Drohnenflüge werden zunehmend zum Problem. Es wurde an einer Lösung gearbeitet. Etwa über eine Zeitbegenzungen der Tagesbesucher oder eine Erhöhung der Parkgebühren wurde diskutiert.




Bis zum 16.03.2020. Denn da kam es zum österreichweiten Lockdown. Die Gastronomie sowie die Hotellerie kam über Nacht zum kompletten Stillstand. Und das ist auch für den Touristenort Hallstatt ein Fiakso. Denn der Tourismus ist eine große Einnahmequelle des malerischen Örtchens. Viele bangen auch hier um ihre Existenz, denn durch den Wegfall der Gäste aus dem asiatischen Raum, ist Hallstatt plötzlich leer!





Viele Einwohner erfreuen sich an der neuen Ruhe und der Tourismus hat sich allgemein stark verändert. Viele kommen jetzt auch aus den Nachbarorten oder anderen Teilen Österreichs, da sie bisher von dem vorherrschenden Massentourismus abgeschreckt wurden. Hallstatt hat wieder seinen ursprünglichen Charme. Man kann gemütlich an der Seepromenade spazieren oder in einem Cafe in Ruhe ein Buch lesen.


Wir genossen die Ruhe und hatten sogar noch genügend Zeit, mit der Bahn zur Aussichtsplattform hoch zu fahren. Wir mussten weder anstehen, noch lange auf die nächste Bahn warten.




Bei unserem Besuch an einem Sonntag war natürlich trotzdem einiges los, aber nicht zu vergleichen mit früheren Zeiten. Teilweise waren die Straßen sogar leer. Wir konnten uns Zeit lassen und hatten genügend Platz für tolle Fotoshootings. Insgesamt war die Stimmung einfach enspannter.



Ob der Tourismus in Hallstatt auch nach der weltweiten und uneingeschränkten Reisefreiheit wieder in alte Muster verfällt, wird sich zeigen. Ich würde den Bewohnern die neu gewonnene Ruhe gönnen. Man wird sicherlich mehr auf Qualität setzen müssen, um auch mehr Touristen aus Österreich anzulocken. Es muss ein Mittelmaß gefunden werden und nun wäre der richtige Zeitpunkt für eine Umorientierung.


Gang ähnlich ist es da auch beim Schloss Neuschwanstein, welches wir einige Tage später auch noch spontan besuchten. Auch hier war wieder sehr wenig los und eine entspannte Besichtigung möglich.